20.12.2010

Datenrettung von der externen Netzwerkfestplatte (NAS) Maxtor Shared Storage II – 1 TB

Vorgeschichte:

Bei der Shared Storage II von Maxtor handelt es sich um eine externe Netzwerkfestplatte. Sie wurde mit unterschiedlichen Speicherkapazitäten und in Versionen mit einzelner Festplatte oder zwei Festplatten angeboten. Die Maxtor Shared Storage II (MSS) stellt im LAN freigegebene Ordner als Netzlaufwerke zur Verfügung. Die Konfiguration erfolgt via Webbrowser.

Die Ausführung mit zwei Festplatten (2 x 500 GB) kann die Daten via RAID auf beiden Festplatten spiegeln, um eine erhöhte Datensicherheit zu gewährleisten. Dieses System stellte sich bei mir jedoch sofort nach dem Kauf als fehleranfällig heraus. Die MSS signalisierte durch die Status-LEDs einen Fehler, der im integrierten Diagnoseprogramm auf der Konfigurationswebsite als nicht näher definierte Festplattenstörung präzisiert wurde. Nachdem auch das Austauschgerät den gleichen Fehler aufwies und eine Reparatur vom Händler / Hersteller verweigert wurde, bot man mir als Ersatz die MSS mit nur einer Festplatte (1 x 1000 GB) an.

Da die Datensicherung über RAID bei der einfachen MSS entfiel, blieb nur die Möglichkeit, die Daten über eine an die MSS anzuschließende USB-Festplatte zu sichern. Da dies allerdings in dem „systemeigenen“ Format erfolgen sollte und nicht ersichtlich war, wie dies im Falle eines Defektes der MSS weiterhelfen sollte, entschied ich mich dagegen. So blieb nur das manuelle Kopieren der Daten über das Netzwerk. Eine automatische Sicherung in der Richtung von der MSS zu einem anderen Medium war nicht vorgesehen.

Problem:

Nach zwei Jahren und drei Monaten im sporadischen Betrieb war die MSS über das Netzwerk nicht mehr anzusprechen. Die Netzlaufwerke standen nicht zur Verfügung und auf die Konfigurationswebsite konnte nicht zugegriffen werden. Die Status-LEDs zeigten einen normalen Zustand an. Die MSS ließ sich nicht mehr ausschalten. Nach dem Trennen der Stromversorgung lief die Festplatte zwar an, aber es stellten sich nach einigen Neustartversuchen zwei Symptome dar. Entweder blinkte die obere LED kurz nach dem Anschließen im schnellen Wechsel zwischen rot und grün ohne weitere Aktivität, oder der Bootvorgang wurde nach einiger Zeit durch ein hörbares internes Neustarten der Festplatte in einer Endlosschleife immer neu begonnen, während die obere LED stetig grün blinkte. Jeglicher Zugriff auf die MSS blieb weiterhin verwehrt.

Gehäuseöffnen:

Um das Gehäuse der MSS zu öffnen, ist etwas Gewalt notwendig. Anscheinend ist es nicht vorgesehen, Reparaturen vorzunehmen. Ganz ohne jegliche Beschädigung des Gehäuses ist es nach meiner Meinung unmöglich, an die eingebaute Festplatte zu gelangen. Zunächst sind die beiden Schrauben auf der Rückseite zu lösen. Hierdurch lässt sich die rückseitige Blende entfernen. Die Oberseite, Unterseite und vordere Blende bestehen aus einem einzigen Stück. Oben und unten ist dieser Plastikrahmen durch Häkchen an der Metallbasis der MSS befestigt. Diese lassen sich durch Verschieben des Rahmens in Richtung der Frontseite ausfädeln. Problematisch ist dabei, dass der Rahmen dabei am vorderen Ende mit den Ecken der beiden Seitenwände kollidiert. Hier ist ein Biegen, Drücken und Brechen mit möglichst vielen Händen erforderlich. Vermutlich wurden bei der Produktion die Seitenwände zuletzt angebracht. Eine Möglichkeit, die Schnapphäkchen der Seitenwandbefestigung bei geschlossenem Gehäuse wieder zu öffnen, sehe ich leider nicht. Wenn der Plastikrahmen entfernt wurde, kommen auf der Frontseite zwei Schrauben zum Vorschein, die ebenfalls zu lösen sind. Nun lässt sich die Metallbasis des MSS-Gehäuses in zwei Hälften aufschieben. Die Festplatte lässt sich dann nach lösen des SATA-/Stromversorgungssteckers samt Gummidämpfern einfach entnehmen.

MSS demontiert

Datenrettung:

In der MSS war eine Seagate Barracude ES.2 1000 Gbytes Festplatte verbaut. Diese wurde unter Windows (XP/7) beim Anschluss über einen USB-SATA-Adapter auch als Datenträger erkannt. Mit einem auf der Hauptplatine integrierten SATA-Controller wurde die Festplatte nicht erkannt. Bei einem anderen wurde zwar beim Hochfahren ein „SATA Device Error“ angezeigt, die Festplatte ansonsten aber erkannt. Bei einem externen RAID-Gehäuse wurde die Festplatte nicht erkannt. Der Zugriff ist also sehr vom Controller abhängig und bedeutet bei Frustration an einem Gerät also noch nicht gleich einen endgültigen Festplattendefekt.

In der „Computerverwaltung“ wurde die Gesamtgröße der Festplatte von 931, 51 GB sowie das Vorhandensein von fünf „Fehlerfreien“ Partitionen (251 MB / 251 MB / 251 MB / 494 MB / 930,29 GB) angezeigt. Unter Win7 wurden alle als „Primäre Partitionen“ und die erste als „Aktiv“ bezeichnet. Unter WinXP wurde die erste als „Aktiv“ die anderen als „Unbekannte Partitionen“ bezeichnet und die ersten drei als „Primäre Partition“ und die letzten beiden als „Erweiterte Partition“ gekennzeichnet. Zudem wurde der Freie Speicher als „100 %“ angegeben. Über das Dateisystem wurden keine Angaben gemacht. Unter WinXP konnten den Partitionen auch Laufwerksbuchstaben zugewiesen werden. Bei Zugriffsversuchen über den „Arbeitsplatz“ kam jedoch die Frage, ob der Datenträger formatiert werden solle, da er nicht formatiert sei.

In einigen Internetforen wurde das Dateisystem der MSS als ext2 beziehungsweise ext3 angegeben. Anscheinend hatten einige dann auch Erfolg beim Anschluss an ein Linux-System. Bei mir wurde die Festplatte jedoch im Knoppix-Linux-Betriebssystem von CD/DVD nicht erkannt. Programme und Treiber, die einen Zugriff auf ext2/ext3-Partitionen von Windows aus ermöglichen sollen (Ext2Fsd-0.48 / Ext2IFS_1_11a / Linux_Reader11), brachten zunächst auch keine Erfolge. Mit „IFS Drives“ ließen sich die Dateisysteme der fünf Partitionen als „Linux“, „Ext2“, „Linux swap“, „Linux“, „Linux“ anzeigen. Ein Dateizugriff war aber nicht möglich.

Schließlich brachte ein in einem Forum wiedergegebener Ausschnitt aus einem Kundenbetreuungs-Chat den entscheidenden Hinweis, dass es sich bei dem Dateisystem der MSS um ein ReiserFS handele. So kam ich endlich zu der endgültigen Problemlösung:

Für den „Total Commander“ (http://www.ghisler.com/deutsch.htm) gibt es das Plugin „Ext2 + Reiser 1.6“ (http://www.ghisler.com/dplugins.htm). Damit lassen sich im „Total Commander“ die „Linux-drives“ in der „Netzwerkumgebung“ anzeigen. Ein Lesezugriff auf die gesamte Verzeichnisstruktur der MSS-Festplatte war möglich und die Daten konnten auf eine Windows-Partition kopiert werden. Lediglich zwei kleine Nachteile gibt es dabei: Der Umwandlungs- und Kopiervorgang ist enorm langwierig und Umlaute in Dateinamen oder Pfaden werden nicht richtig dargestellt. Aber es konnten alle Daten von der defekten Maxtor Shared Storage II gerettet werden.

Ausblick:

Als Ersatz für die defekte MSS hätte ich gerne eine NAS, die erstens zwei Festplatten via RAID spiegelt, um einem Festplattendefekt vorzubeugen, und zweitens ein gängiges windowskompatibles Dateisystem verwendet (NTFS), um bei einem Gehäusedefekt die Daten ohne großen Umwandlungsaufwand direkt von der Festplatte auslesen zu können. Ausprobiert habe ich hierfür das Festplattengehäuse „Gigabit NAS 2-Bay Server“ von LogiLink (NS0046). Dieses sollte laut Beschreibung die Wünsche erfüllen können, stellte sich jedoch als Enttäuschung dar. Zumindest mit der aktuellen Firmwareversion (2.1.12) wurden NTFS-formatierte Festplatten nicht erkannt. Beim Formatieren über die Benutzeroberfläche der LogiLink NS0046 funktionierte zwar die Netzwerkfreigabe des NAS, das Dateisystem wurde allerdings beim direkten Anschluss der Festplatte unter Windows selbst mit den Programmen für ext2/ext3 und ReiserFS nicht erkannt. Die sonst so attraktiv wirkende NS0046 ist damit entgegen der Produktbeschreibungen leider völlig ungeeignet für meine Zwecke.